Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die neu verlegten Stolpersteine sind von Anwohnern mit weißen Rosen geschmückt worden.   

(Foto: Dattelner Morgenpost vom 20.12.2011)   

 

Die jüdischen Familien sind nicht vergessen.

 

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Gunter Demnig den Talmud. Junge Menschen könnten anhand von Einzelschicksalen die NS-Verbrechen besser aufarbeiten, sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Für sie bleibt sechs Millionen ermordete Juden eine abstrakte Größe in einem Buch. Wenn sie Schicksale aus der eigenen Straße oder dem eigenen Haus mitkriegen, ist das für sie anfassbar.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Künstler Gunter Demnig verlegt in Datteln Stolpersteine.

(Foto: Dattelner Morgenpost vom 07.12.2011)

Seit 1992 erinnert Gunter Demnig an die Opfer des Nationalsozialismus, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort kleine Gedenktafeln aus Messing in den Boden einlässt. Inzwischen (November 2018) liegen mehr als 70.000 STOLPERSTEINE in 1265 Kommunen Deutschlands und in einundzwanzig Ländern Europas. Die quadratischen Messingtafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten werden ausschließlich in Handarbeit hergestellt, sie sind mit von Hand eingeschlagenen Lettern beschriftet und werden von einem angegossenen Betonwürfel mit einer Kantenlänge von 96 × 96 und einer Höhe von 100 Millimetern getragen. Sie geben dem Schrecken der NS-Zeit ein persönliches Gesicht, indem sie Namen und Schicksale der Menschen nennen, die verfolgt, vertrieben, deportiert oder/und ermordet wurden.

 

Die Dattelner Steine sind Teil des größten dezentralen Mahnmals der Welt.

 

Auch in Datteln hat der Kölner Künstler Gunter Demnig, dessen Atelier sich seit 2011 in Frechen b. Köln befindet, diese Steine ins Pflaster eingelassen. Zweimal ist er nach Datteln gekommen und hat hier seine Steine verlegt: am 6. Dezember 2011 hat er acht Steine gesetzt, die an die Familien Hecht (Am Tigg 9) und Löwenberg (Marktstraße 5 und 13) erinnern, am 6. Dezember 2012 hat er weitere 12 Steine gesetzt, die an die Familien Goldberg (Carl-Gastreich-Straße 6), Rosenbaum (Mittelstraße 18) und Louis Löwenberg (Münsterstraße 13) erinnern. Die Aktion wurde durch Spenden finanziert.

 

Über STOLPERSTEINE sollen Menschen mit dem Kopf und mit dem Herzen stolpern.“

 

„Für mich sind Stolpersteine zentraler Bestandteil der Erinnerungskultur“, sagt Theodor Beckmann, Vorsitzender des Dattelner Heimatvereins. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

An der Carl-Gastreich Straße wohnten

  • Else Meyer geb. Goldberg Jg. 1878 – Ihr gelang die Flucht nach Australien, sie hat den Holocaust überlebt.

  • David Goldberg Jg. 1882 - Ihm gelang die Flucht in die USA, auch er hat dort den Holocaust überlebt.

  • Hedwig Goldberg geb. Rausenberg Jg.1894 – sie wurde 1942 nach Riga deportiert; sie wurde 1944 ermordet.

  • Berta Goldberg Jg. 1914 – sie flüchtete 1933 in die USA und hat dort überlebt.

  • Hans Goldberg Jg. 1915 – er ist in due USA geflüchtet und hat dort überlebt.

  • Charlotte Goldberg Jg. 1918 – auch ihr gelang die Flucht in die USA, sie hat dort ebenfalls überlebt.

(Nachfahren der Familie Goldberg leben heute noch in den USA und haben Kontakt zur Stadtverwaltung.)

 

Im Haus Marktstraße 5 wohnten

  • Karl Löwenberg Jg. 1879 -

  • Jenny Löwenberg, geb. Eichenwald Jg. 1894 -

  • Ruth Löwenberg Jg.1922 -

  • Hanna Ilse Löwenberg Jg. 1922 – alle Familienmitglieder wurden 1942 deportiert und in Riga 1944 ermordet.

Im Haus Marktstraße 13 wohnte

  • Josefine Löwenberg Jg. 1878 – sie wurde 1942 deportiert und 1944 in Riga ermordet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Haus Mittelstraße 18 wohnten

  • Leopold Rosenbaum Jg. 1894 -

  • Hanna Rosenbaum geb Fuchs Jg. 1890 – das Ehepaar wurde ebenfalls 1942 deportiert und in Riga ermordet.

 

Im Haus Münsterstraße 13 wohnten

  • Louis Löwenberg Jg. 1886 -

  • Rika Löwenberg Jg. geb. Mosbach Jg. 1894

  • Walter Löwenberg Jg. 1923 -

  • Heinz Löwenberg Jg. 1925 -

Die Eltern wurden 1942 nach Riga deportiert und ermordet, den beiden Söhnen gelang die Flucht in die USA, sie überlebten dort den Holocaust.

 

 

Am Tigg 9 wohnten

  • Salomon Hecht Jg. 1862 – er wurde 1942 nach Riga deportiert und dort 1944 ermordet.
  • Henriette Hecht Jg. 1895 – sie wurde ebenfalls 1942 nach Riga deportiert und 1945 ermordet.
  • Adele Hecht Jg. 1897 – ihr gelang die Flucht nach Holland, wurde aber dort in Westerbork interniert, nach Auschwitz deportiert und dort 1943 ermordet.

 

 

 

An diese 20 Personen erinnern die in Datteln verlegten Stolpersteine. Sie stehen als Symbol dafür, dass wir sie nicht vergessen haben. Damit sind diese Steine in Datteln Teil des größten dezentralen Mahnmals der Welt.

 

Junge Frauen aus Japan, Südkorea, Spanien und Italien gedenken NS-Opfern.

Mit Schwämmen, Stahlwolle und verschiedenen Reinigungsmitteln haben sie die Stolpersteine von Schmutz beseitigt.

Lesen Sie dazu den Bericht von Sarah Kuhlmann in der Dattelner Morgenpost vom 20.08.2019   hier ...

 

Lesen Sie auch den Bericht von Sebastian Balint in der Dattelner Morgenpost vom 09.11.2018 zur Geschichte der Pogromnacht am 9. November 1938:   hier...