Kaufhaus Danielsmeier

 

 

„Preis und Leistung müssen stimmen.“

 

 

Auf den ersten Blick erscheint es wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Mit seinen 5000 qm Verkaufsfläche ist es im bundesweiten Vergleich eher ein kleines Kaufhaus. Doch es funktioniert. Es lockt nicht nur Dattelner in seine Abteilungen, sondern auch viele Kund*innen aus den Nachbarstädten Olfen, Waltrop, Oer-Erkenschwick und Recklinghausen. Dattelns Einkaufswelt ist ohne das Kaufhaus Danielsmeier nicht denkbar. Nur dem Kaufhaus Danielsmeier verdanken wir, dass Datteln eine recht lange Fußgängerzone hat, vom Tigg bis zum Südring. Ohne Danielsmeier wären viele Geschäfte auf der Castroper Straße nicht lebensfähig, der Handel hätte sich noch stärker rund um den Neumarkt konzentriert.

 

Das Prinzip Kaufhaus: Der Kunde ist König

 

„Teamgeist ist uns wichtig – auf allen Ebenen. Unsere Mitarbeiter sind uns wichtig. Sie sind für den Kunden da, kümmern sich, damit alles gut läuft.“

 

Während andernorts Traditionshäuser schließen mussten, ist es dem inhabergeführten Familienunternehmen mit seinen erfahrenen, höchst motivierten und engagierten Mitarbeiter*innen immer wieder gelungen, das Ambiente des Geschäfts zu modernisieren und den Kontakt zu seinen Kund*innen nicht zu verlieren, sie richtig anzusprechen und ihnen ihre Wünsche umgehend zu erfüllen. Diese Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Kunden zufrieden nach Hause gehen und wiederkommen.

 

Vom kleinen Wäschegeschäft zu DEM Kaufhaus im Vest

 

Heute ist Danielsmeier das führende Kaufhaus in Datteln, sogar im gesamten Vest. In der dritten Generation geführt von Markus Danielsmeier hat sich das Kaufhaus zum Modehaus und mehr entwickelt. Offensichtlich hat es die Zeichen der Zeit erkannt und bietet aktuelle Modelabels für Damen, Herren und Kinder einschließlich individueller Beratung.

Wie lockt man die Kund*innen ins Kaufhaus? - Anzeige aus dem Jahre 1954

 

Seit den 1950er-Jahren – damals stand der Bergbau noch in voller Blüte – bietet Danielmeier sein Angebot in Datteln auf ständig wachsender Verkaufsfläche an. Die Eltern und Großeltern des heutigen Geschäftsführers Markus Danielsmeier haben das Familienunternehmen gemeinsam aufgebaut. Als Wäschegeschäft starteten die Danielsmeiers 1938 in Dortmund, mit einer Handvoll Mitarbeitern öffneten sie dann 1954 ihr Dattelner Kaufhaus auf einer Fläche von gerade einmal 200 Quadratmetern. Zwei Argumente hatten den damaligen Kaufhaus-Chef Friedrich Danielsmeier und seine Frau Johanna überzeugt, diesen Schritt zu gehen, dem damals viele große und kleine Kaufhäuser ihren Erfolg verdankten: die Kundschaft honorierte das breitere Angebot unter einem Dach als in jedem einzelnen Fachgeschäft und den Preisvorteil durch hohe Rabatte beim Einkauf großer Mengen aus Manufakturbetrieben und Importen.

 

Lange Jahre zählte das Kaufhaus Danielsmeier zu den Kaufring-Häusern. Die Kaufring AG war eine Einkaufsgenossenschaft von Einzelhändlern. Sitz der Gesellschaft war von Anfang bis Ende Düsseldorf. Die Kaufring AG existierte bis 2002. In der AG blieben alle Einzelhändler eigenständig, sie bündelten jedoch ihren Einkauf von Haushaltswaren, Textilien und Lebensmitteln, um eine größere Marktstärke zu erhalten. Von diesen Vorteilen profitierte auch das Unternehmen Danielsmeier und natürlich seine Kund*innen. Gerade als Einheitspreisgeschäft waren die Danielsmeiers an besser kalkulierbaren Preisen interessiert, da sie alle Waren zu festen Preisen verkauften und die Genossenschaft ihnen das Leben dabei erleichterte. Die Preise bei Danielsmeier waren nämlich ausgezeichnet und vorher ersichtlich und für jedermann gleich, außerdem konnte (in der Regel) nicht angeschrieben werden.

 

Nach mehreren bedeutenden Erweiterungen in den Jahren 1965, 1975 und 1996 arbeiten heute in der Filiale an der Castroper Straße 70 Mitarbeiter auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern. Rolltreppen erschließen den Kund*innen auf drei Etagen (fast) "Alles-unter-einem-Dach": für Drunter und Drüber, für Groß und Klein, für Spiel und Sport, für Zuhause und unterwegs, für Schule und Büro, für Freizeit und Business, für Bad und Bett. Neben der großen Modewelt bietet das Kaufhaus Abteilungen für Wäsche, Heimtextilien Haushaltwaren, Elektro-Kleingeräte, Spiel-, Schreib- und Lederwaren, Sportbekleidung und Schuhe – eine Riesenauswahl an Markenartikeln, die so im Vest nicht zu finden sind.

 

Der Konkurrenz die Stirn bieten

 

„Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen. - Das heißt: wir müssen mit Service-Leistungen und Beratung überzeugen und das Sortiment auf die Kunden abstimmen.“

 

In den vergangenen sechs Jahrzehnten hat das Unternehmen auf die zahlreichen Veränderungen und immer größer werdende Konkurrenz im Bereich des Einzelhandels die richtigen Antworten gefunden. Hatten einst die Kauf- und Warenhäuser den individuellen Einzelhandel zurückgedrängt, so stellten bald große Spezialmärkte zumeist „auf der grünen Wiese“ den klassischen Warenhäusern große Herausforderungen. Um am Markt bestehen zu können, begann auch das Kaufhaus Danielmeier, das Sortiment einzuschränken. Als erstes wurden Möbel aus dem Sortiment genommen, später folgten teilweise die Heimwerker- und die Lebensmittelabteilung.

 

Nur weil die Geschäftsführung auf die vielfältigen Herausforderungen angemessen reagieren konnte, hat das Dattelner Kaufhaus alle Turbulenzen des Einzelhandels überstanden: in den 1970er Jahren die Herausforderung durch die direkte Konkurrenz durch eine Filiale des Karstadt-Konzerns vor Ort, auf die Herausforderungen durch die Lebensmittel-Discounter Aldi und Lidl, auf die Herausforderungen durch die großen Einkaufszentren Ruhr-Park-Bochum oder Centro-Oberhausen, durch die Herausforderungen durch die mittelgroßen Shopping Malls Palais-Vest-Recklinghausen oder Thier-Galerie-Dortmund, zuletzt durch die Herausforderungen des zunehmenden Online-Handels. In all diesen Stürmen hat das Kaufhaus Danielmeier immer die Zeichen der Zeit erkannt, sein Sortiment den Wünschen der Kundschaft angepasst und sich so am Markt behauptet. In punkto Service zum Beispiel hat das Unternehmen mehr als 120 Kunden-Parkplätze im Umfeld des Kaufhauses geschaffen.

 

Emotionalisieren und Erlebnisse schaffen

 

„Handel heißt: man darf nie stehen bleiben. Man muss sich immer verändern.“

 

Gute Auswahl, gute Preise, gute Beratung – das alleine reicht heute vielfach nicht mehr, um die Kund*innen ins Geschäft zu locken. Es gilt, mit Hilfe von zielgerichteten Aktionen die Aufmerksamkeit für das Sortiment zu steigern – und sie sollen helfen, das Marken-Image des Unternehmens Danielsmeier zu formen und zu manifestieren.

In den einzelnen Abteilungen müssen die Marken mehr zum Leben erweckt und Emotionen geschaffen werden, die Marken müssen sich vor Ort inszenieren können. Die Danielsmeiers haben früh begriffen, dass Marken, die in den Großstädten in Mono-Label Stores ihre Markenwelt inszeniert haben, das auch in ihrem Kaufhaus hier vor Ort aufbauen können. So war es nur konsequent, unter den zahlreichen Marken auszuwählen und am Ende weniger Marken anzubieten, vor allem die, die am Ort über keine eigene Verkaufsstelle verfügen; diese Marken bietet man dafür aber präsenter, emotionaler und weniger austauschbar an.

Denn Einkaufen lebt – je jünger die Zielgruppe ist, die ein Verkäufer erreichen möchte – heutzutage zum Großteil von der Emotionalisierung, vor allem im Konkurrenzkampf mit dem Online-Handel: Das Einkaufen muss zu einem Erlebnis werden. Das bedeutet Aufwand und ist zunächst ungewohnt. Um sich als Kaufhaus von der grauen Masse abzuheben, müssen rund um das Einkaufen die Käufer*innen mit Hilfe von generationsübergreifenden Kampagnen und Event-Aktionen angelockt werden, die zum Stadtgespräch werden.

 

Von Zeit zu Zeit finden deshalb im und vor dem Haus verschiedene Aktionen statt, z.B. Basteln mit Kindern. Sie beleben im Kaufhaus das Geschäft. Oder man bietet eine Kochvorführung, Live-Cooking mit einem Celebrity Koch. Das zieht Käufer an, ist ein Happening und nicht nur imagefördernd, sondern erhöht sogar unmittelbar den Absatz. Davon profitieren auch andere Marken im Sortiment. Traditionell ist die große Verlosung. Der Hauptgewinn: ein knallroter Motorroller — natürlich in den Farben vom Kaufhaus Danielsmeier. Oder ein Model-Contest in der Unterwäsche-Abteilung. Oder eine Mitmach-Aktion, bei der Damen Rabattaktionen gewinnen können. Alle diese Möglichkeiten bieten für die Zielgruppe mehr Aktionen, mehr Interaktion, mehr Emotionen, mehr Viralität, mehr Branding. Sie wirken imagefördernd für das gesamte Kaufhaus und generieren Kundenbesuch und Umsatz. Und zum Dattelner Herbst organisiert Markus Danielsmeier ein großes. Aufsehen erregendes Truck-Treffen auf der Castroper Straße, dessen Erlös an die Elterninitiative krebskranker Kinder geht. Beim Treffen im Oktober 2019 gab es 50 unterschiedlichste Zugmaschinen zu bestaunen, darunter einen kompletten Zug mit aufwändiger Airbrush-Kunst - und auch den einen oder anderen historischen Truck.

 

Es ist unbestritten: Die Konkurrenz im Einzelhandel hat zugenommen - in den 1980er-Jahren durch Versandhändler wie Otto und Neckermann und seit einigen Jahren durch den Online-Handel. Doch das Kaufhaus Danielsmeier hat sich auf dem Markt behaupten können und konnte 2018 sein 80-jähriges Bestehen feiern.