Kreislehrgarten Horneburg

 

Mitten im beschaulich-schönen Horneburg, zwischen Horneburger Straße und Horneburger Busch, steht der Kreislehrgarten, oder die Kreisgärtnerei, wie die Menschen den Betrieb oft immer noch nennen. Offiziell gehört diese Einrichtung dem Kreis Recklinghausen und trägt den Namen „Kreisgartenbaulehrbetrieb“ (KGBL). Und dieser Garten ist schon etwas Besonderes: denn er ist – neben dem Garten in Steinfurt – einer von nur zwei Kreisgärten in NRW und soll zunehmend zu einem Lehrgarten werden, an dem Nachhaltigkeit erleb- und begreifbar wird.

 

 

Für den Kreis übernimmt der Kreisgarten zahlreiche Aufgaben: die Pflege und Unterhaltung der Grünanlagen der 21 kreiseigenen Liegenschaften, eine zu pflegende Fläche von ca. 215.000 qm, die Verkehrssicherung des Baumbestandes auf den betreuten Liegenschaften, die Pflege des Innenraumgrüns des Kreishauses, die Lieferung von Blumen und Dekorationen zu besonderen Anlässen, und eben auch die Ausbildung von Gärtnerinnen und Gärtnern.

 

Das Gelände in Horneburg ist jederzeit frei zugänglich: hier finden sich sowohl Freiflächen mit z.T. interessantem Baum- und Strauchbestand als auch Gewächshäuser zur Anzucht von Blumen und Stauden, von Interesse sind aber sicherlich auch der separat mit der Eupen-Stiftung angelegte Apothekergarten und die „Zukunftsallee“.

 

 

1907: Anlage eines Musterobstgartens

 

Nachdem der Herzog von Arenberg im Jahre 1896 dem Landrat von Recklinghausen, Grafen von Merfeld, das Schloss überlassen hatte, damit in ihm eine Winterschule eingerichtet werden konnte, übernahm der Kreis 1904 auch die zum Schloss gehörende Gutswirtschaft und stellte sie unter die Leitung des Schuldirektors Dorn. Bis 1942 wurden hier junge Bauern als Landwirtschaftsschüler ausgebildet. 1907 kam eine Haushaltungsschule für Bauerntöchter und auch der Kreisgarten als Musterobstgarten und Ausbildungsstätte mit den Schwerpunkten Obst- und Gemüseanbau hinzu. Hier sammelten die Söhne und Töchter der heimischen Bauern Grundkenntnisse für Hof, Garten und Haushalt. 1921 erwarb der Kreis dann die Schlossanlage.

 

Heute bietet der Kreisgartenbaulehrbetrieb eine vielfältige Ausbildung im Blumen- und Zierpflanzenbau und Garten- und Landschaftsbau an. Außerdem bietet der Kreis Schülern, Personen aus Umschulungsmaßnahmen, Sozialhilfeempfängern und Auszubildenden anderer Fortbildungsträger Praktikumsplätze beim Kreisgartenbaulehrbetrieb an.

 

 

Ausbildung von Gärtnerinnen / Gärtnern

 

Ausgebildet werden die Gärtner im Garten-Landschaftsbau auf den Baustellen der kreiseigenen Außenanlagen. Diese Ausbildungsmaßnahmen reichen von der kompletten Neugestaltung (Planung, Anlage von Wegen und Plätzen, Pflanzung von Bäumen und die Bepflanzung von Grünflächen) wie z. B. beim Straßenverkehrsamt in Marl, über die Errichtung von Einzelelementen, wie Absperrpfosten, Schranken, Fahrradständern ("Horneburger Busch", Kreishaus, Gesundheitsamt Waltrop) bis hin zu ständig anfallenden Unterhaltungsarbeiten, wie die Reparatur von Pflasterflächen oder die Neubepflanzung von Freiflächen an allen zu betreuenden Liegenschaften des Kreises.

 

Im Zierpflanzenbau produzieren die Auszubildenden in Gewächshäusern und auf Freilandflächen Blumen und Pflanzen für die Dekoration der Innenräume des Kreishauses, und Bäume und Sträucher für die Bepflanzung der Außenanlagen. Die regelmäßige, fachgerechte Pflege der ca. 400 Hydrokulturen und die Dekoration zu besonderen Anlässen erfolgt ebenfalls im Rahmen der Ausbildung im Zierpflanzenbau. Überschüssige Pflanzen aus der Ausbildung werden verkauft.

 

Als Mitglied des Netzwerks „Weg und Raum“ betreibt der Kreis Recklinghausen seit 2019 auch eine Kooperation zur Ausbildung in überbetrieblichen Einrichtungen unter Förderung des Jobcenters Kreis Recklinghausen. Zu den Projekten dieser Kooperation gehören die Realisierung des Emscherlands sowie dessen Pflege bis zur IGA 2027.

 

 

Lernen und Lehren im Kreislehrgarten

 

Der Kreislehrgarten ist ein Ort der Wissensvermittlung. Die hier angewandten Prinzipien des ökologischen Wirtschaftens und der ressourcenschonenden Landwirtschaft, z.B. durch Lagerung und Wiederverwertung von Materialien, werden Jahr für Jahr an zahlreiche Auszubildende vermittelt. Aber auch für Betriebe, kreisangehörige Kommunen und Privatpersonen hat der Kreislehrgarten eine Vorbildfunktion. Durch eine Sensorik im Kreislehrgarten werden außerdem klimarelevante Daten gemessen und aufgenommen. Energetisch ist der Kreislehrgarten ebenfalls vorbildlich: Seit 2012 ist der Betrieb autark und produziert über eine Photovoltaikanlage und eine Wärmepumpe eigenen Strom und Wärme. Mit diesem grünen Strom werden akkubetriebene E-Werkzeuge im Kreislehrgarten betrieben, die statt Verbrenner-Geräten eingesetzt werden. Auch für die Bewässerung setzt der Kreis Recklinghausen auf die Schonung natürlicher Ressourcen: Die zu kultivierenden Pflanzen werden mit Regenwasser gegossen, das sich in Zisternen des Kreislehrgartens sammelt.

 

 

Die Attraktion: Der Apothekergarten - Ein Garten für alle Sinne

 

Ein besonderes Highlight der Horneburger Anlage ist der Apothekergarten, der 2020 auf dem Gelände entstanden und öffentlich zugänglich ist. Auf rund 1500 Quadratmetern Fläche gibt es jede Menge Gift-, Duft- und Heilpflanzen zu bestaunen. In den letzten Jahren hat sich der Garten zu einem erlebbaren Ort für Ausbildung und Forschung im Bereich der Pflanzenheilkunde entwickelt. Zwischen Lavendel, Minze und Oleander werden der Anbau und die Wirkungsweise natürlicher Heilpflanzen vor Ort erlebbar gemacht, wird das Bewusstsein für Gesundheit und Ernährung nachhaltig gestärkt. Da der Garten auch giftige Pflanzen wie Efeu oder Oleander enthält, ist eine Fläche von rund 735 m² eingezäunt und sollte von Kleinkindern nur in Begleitung betreten werden.

 

 

Umweltschutz und Biodiversität

 

Der Kreislehrgarten ist auch ein Ort der Forschung: Mehrere tausend Sorten Saatgut, Stauden und ein- oder mehrjährige Pflanzen werden kultiviert, erhalten und auf ihre Zukunftstauglichkeit unter den Bedingungen des Klimawandels getestet.

Ein besonderes Projekt: die „Zukunftsallee“, die im Frühjahr 2024 gepflanzt wurde vom Landrat und den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der kreisangehörigen Städte des Kreises Recklinghausen. Seitdem bilden zwölf klimaresiliente Bäume ein Sinnbild für die interkommunale Zusammenarbeit beim Klimaschutz und der Bewältigung von Klimafolgen im Kreis. Die Neupflanzung von Bäumen, die CO2 binden, zur Artenvielfalt beitragen und Sauerstoff produzieren, gehört zu den zentralen Maßnahmen des Vestischen Klimapakts und des Integrierten Klimaschutzkonzepts des Kreises Recklinghausen. Durch weitere Bepflanzungen soll die neue Allee weiter wachsen.

 

 

Regelmäßige Veranstaltungen im Kreislehrgarten

 

Jedes Jahr lockt der Kreislehrgarten mit zahlreichen Veranstaltungen an diesen besonderen Ort: mit Festen, mit Führungen zur Förderung von Nachhaltigkeit und Artenvielfalt, mit kostenlosen Workshops zu Themen wie Gehölz- und Obstbaumschnitt, saisonale Küche, Kochen mit Kräutern, Hochbeete im Eigenbau, insektenfreundliche Gärten, kreative Verwendung von Steinresten, Kompostierung, das Binden von Adventskränzen oder Tipps für den winterfesten Garten. Die Mitarbeiter des Kreises Recklinghausen vermitteln interessierten Bürgerinnen und Bürgern ihr umfangreiches Wissen über umweltgerechten Pflanzenanbau und ressourcenschonendes Wirtschaften.