Kleine Oase Datteln

Die „Kleine Oase“ ist ein caritatives Kurzzeitwohnheim in Datteln für schwer- und schwerstmehrfach behinderte Kinder und Jugendliche. Die Einrichtung, die 1996 gegründet wurde, kann bis zu 12 Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 25 Jahren aufnehmen. Die Aufenthaltsdauer liegt zwischen einigen Tagen und drei Wochen; mehrere Aufenthalte im Jahr sind möglich und sinnvoll. Wer in die Kleine Oase kommt, wird als gern gesehener Gast empfangen. Die Gäste des Hauses sollen eine schöne Zeit haben, sich wohl fühlen und gerne wieder kommen. So kommen viele der Gäste immer wieder und verbringen hier regelmäßig ihren Urlaub vom Alltag.


Heute gehört die Kleine Oase zum Bereich Kurzzeitbetreuung der Kinderheilstätte Nordkirchen. Hinter dieser Einrichtung steckt die Idee, die Eltern und Verwandten dieser Kinder mit Behinderung (Beeintächtigungen), deren Betreuung allen Beteiligten viel abverlangt, bei der alltäglichen Arbeit zu entlasten und ihnen auch einmal ungewohnte Freiräume zu eröffnen und einen unbeschwerten Urlaub zu gönnen. Dies gelingt, weil die engagierten und qualifizierten Pädagogen und Kinderkrankenpfleger alles tun, damit die Eltern das Haus mit dem Gefühl verlassen, dass ihr Kind hier gut aufgehoben ist und liebevoll betreut wird.

 

Auszeiten schaffen – Entlastung bieten

 

Behinderte Kinder und Jugendliche brauchen viel Aufmerksamkeit und Zuwendung. Die Betreuung eines schwerstbehinderten Menschen ist ein 24-Stunden-Job, der das Leben der Familie bestimmt. Die Familien, die dies im Alltag zuhause zu leisten versuchen, verdienen professionelle Unterstützung, um diese Aufgaben zu schaffen. Denn die Pflege und Betreuung ist eine Aufgabe, die die Eltern rund um die Uhr fordert und ihnen bei aller Liebe zum Kind kaum Freiraum lässt. Zuallererst wird ihnen Hilfe und Enlastung seitens des familienunterstützenden Dienstes in der heimischen Wohnung gegeben. Diese vielfältige Unterstützung – nach Art und Umfang flexibel gehandhabt nach den individuellen Bedürfnissen – garantiert, dass viele behinderte Kinder dauerhaft das Jahr über zuhause von ihren Eltern, Geschwistern, Verwandten versorgt und betreut werden.

 

Kostbare Wochen

 

Familien mit behinderten Kindern brauchen manchmal einfach eine Auszeit, die Gelegenheit entspannt und sorgenfrei „abzuschalten“. Und es sollte nicht vergessen werden, dass die Geschwisterkinder oft zu kurz kommen. In dieser Situation eröffnen stationäre Pflegeeinrichtungen wie die Kleine Oase die Möglichkeit, das behinderte Kind kurzzeitig unterzubringen. Es gibt unterschiedliche Gründe, die ein „Wohnen auf Zeit“ als Gäste in einem Kurzzeitwohnheim notwendig machen.

  • Auch erfahrene und gut geschulte Eltern müssen mal etwas für sich tun. Auch sie brauchen hin und wieder eine dringend notwendige Erholungsphase, Zeit für Unternehmungen und Zeit, sich mal um sich selbst zu kümmern, um neue Kraft für die weitere Betreuung zu schöpfen, um auch in Zukunft ein Familienleben gestalten zu können. Nur wenn alle in der Familie ausgeglichen sind, können sie ihr sprachgestörtes, verhaltensauffälliges oder hörgeschädigtes Kind richtig umsorgen und fördern.

  • Ein anstehender Krankenhausaufenthalt eines Elternteils kann dazu führen, dass die verlässliche Hauptbezugsperson vorübergehend ausfällt.

  • Aber auch eine Krisensituation in der Ursprungsfamilie (z. B. die plötzliche Erkrankung eines Elternteils, ein schwerer Unfall oder ein Trauerfall in der Familie) kann möglicherweise besser bewältigt werden, wenn die Sicherheit einer qualifizierten und verlässlichen, zeitlich begrenzten Betreuung außerhalb des Elternhauses den Rahmen dafür schafft.

 

Bis zu 150 Gäste sind pro Jahr in der „Kleinen Oase".

 

Doch nicht nur die Eltern brauchen hin und wieder eine Auszeit, auch für die Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen ist es ein Segen, ein- oder mehrmal im Jahr „Ferien vom Alltag“ zu machen, das Gewohnte zu durchbrechen, neue Bekanntschaften zu schließen, schöne Erfahrungen zu machen - denn all das gehört zum Leben dazu. Denn der Aufenthalt in der Kurzzeitwohngruppe bietet dem Kind viele Möglichkeiten, den Blickwinkel zu weiten, vertraute Beziehungen aufzufrischen, aber auch neue Menschen kennen zu lernen und neue Freunde zu gewinnen.

In der Kleinen Oase haben die Kinder die Möglichkeit, den Tagesablauf nach ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen dabei Wohlbefinden, Selbständigkeit und Lebensfreude. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legen viel Wert darauf, einen gemeinsamen Tagesablauf zu entwickeln, der jedem Gast Raum für seine Interessen und Vorlieben lässt.

Dies gelingt u.a. auch mit Hilfe von Angeboten wie Musik oder Kunsttherapie und tiergestützter Therapie oder basaler Stimulation in der Pflege. Im Mittelpunkt steht dabei, dass die Kinder und Jugendlichen eine gute Zeit haben.

 

Als Standort für die Kurzzeitpflegeeinrichtung „Kleine Oase Datteln“ hat man die Nähe des Zentrums Datteln gewählt. So ist die Einrichtung ganz selbstverständlich Teil des Gemeindelebens. Notwendige Behandlungen wie Ergotherapie oder Physiotherapie führt die Kleine Oase in Kooperation mit externen Praxen durch. Und durch die enge Anbindung an die Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln ist eine medizinische Versorgung jederzeit gewährleistet.

 

Die Anfänge

 

In den 1990 Jahren fanden Eltern behinderter Kinder nur wenige Versorgungs- und Betreuungsangebote; suchten sie Hilfe, mussten sie ihr Kind entweder in die Klinik oder dauerhaft in ein Heim geben. Auf lange Sicht empfanden dies die Betroffenen, Eltern und Krankenhaus, als nicht hilfreich. Aus ihrer alltäglichen Unzufriedenheit heraus wuchs im Team der Klinik der Gedanke, ein Kurzzeitwohn- und Pflegeheim für behinderte Kinder und Jugendliche als notwendige und sinnvolle Ergänzung in der Gesamtfürsorge für das kranke Kind und seine Familie einzurichten.

Erste Überlegungen zu einem solchen Heim entwickelten die in der Kinderklinik arbeitenden Schwestern vom Orden der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung; Schwester Agnes konnte den Diözesancaritasverband Münster als Träger der Vestischen Kinderklinik dafür gewinnen, für dieses Projekt die Verantwortung zu übernehmen. Mit betroffenen Eltern entwickelte sie ein Konzept, das vorsah, miteinander eng verbunden in einem Haus einerseits eine Wohngemeinschaft behinderter junger Menschen und andererseits eine ständig im Haus wohnende Gruppe von vier Ordensschwestern einzurichten, die für die „Gäste“ des Hauses und ihre Familien ein gewisses Maß an Kontinuität und intensiver Beziehung gewährleisten können. Bis zum Sommer 2015 versahen sie ihren Dienst in der Einrichtung.

Für die Festschrift „50 Jahre Vestische Kinderklinik“ hat Schwester Agnes 1996 einen Bericht über den mehrjährigen Planungszeitraum vor der Eröffnung der Kleinen Oase geschrieben. Ihr Beitrag findet sich hier ...

Nachdem die katholische Pfarrgemeinde St. Josef Datteln ein geeignetes Grundstück in unmittelbarer Nähe zur Kinderklinik in Erbpacht zur Verfügung gestellt hatte und nach langen und mühevollen Verhandlungen der Geschäfsführer Heinz Rüter und und Dr Wolfgang Erfeld auch die Finanzierung gesichert war, baute die Architektengemeinschaft Prof. Dr Baumerwerd/Hülsmann, Münster, ein behindertengerecht angelegtes Atriumhaus mit zwei Wohnbereichen. Durch einen Umgang um den Innenhof als übersichtlichen Bewegungs- und Kommunikationsraum sind sie zueinander offen. Ein kleiner im Innenhof gelegener und an den Wohnbereich der Ordensschwestern angebundener „Raum der Stille“ entwickelte sich zur geistigen Mitte der Einrichtung.

 

In den frühen Jahren der Kleinen Oase war diese „Kapelle“ ein sakraler Raum, auch der Ort regelmäßiger liturgischer Handlungen, Altar und Ambo haben unterdessen ein neues Zuhause in einer Lüdinghäuser Alteneinrichtung gefunden. Inzwischen haben in diesem lichten, hellen Raum eher weltliche Aktivitäten Einzug gehalten: die Räumlichkeit dient heute als „Studio“ oder „Atelier“ für die Musik- und Kunsttherapie.

Der ehemalige Wohnbereich der vier Ordensschwestern wird aktuell als Ausweichquartier des Integrativen Kindergartens Arche an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik genutzt, Die Kita Kinderarche besteht seit über 25 Jahren. Im Rahmen der Umstrukturierungen innerhalb der GmbH gehört die Kinderarche seit Beginn des Jahres 2012 zur Kinderheilstätte Nordkirchen.

Das Ziel dieser Einrichtung ist das gemeinsame Miteinander. In einer maximalen Gruppengröße von 15 Kindern, davon 10 Regelkinder und 5 Kinder mit heilpädagogischem Förderbedarf, sollen die Kinder eine Gemeinschaft mit den unterschiedlichsten Menschen erleben, miteinander spielen und voneinander lernen.

 

Mitarbeiter und ihre Qualifikationen

 

Ein verantwortungsbewusstes Fachteam aus Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen, Heilerziehungspflegerinnen, Erzieherinnen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Musik- und Kunsttherapeuten sind rund um die Uhr, zum Wohle der ihnen anvertrauten Menschen, im Einsatz.

Die Kinderkrankenpfleger und Pädagogen der Kleinen Oase sind qualifiziert, auch Kinder und Jugendliche mit sehr schweren Behinderungen zu betreuen.

 

2015 ging in der Kleinen Oase eine Ära zu Ende. Mit Schwester Georgia (88) und Schwester Annamaria (73) verließen die beiden letzten Ordensfrauen die Kurzzeitpflegeeinrichtung für behinderte Kinder. 19 Jahre lang hatten sie dort ihren Dienst angetreten, bevor sie im Mutterhaus in Münster neue Aufgaben übernahmen. (Foto: Schwester Georgia (li.) und Schwester Annamaria. Foto: Andreas Kalthoff in Dattelner Morgenpost vom 3. Juli 2015)


Die Finanzierung

 

Die Finanzierung der Einrichtung ist heute gesicherter als in den Anfangsjahren. Heute wird der Aufenthalt bei Vorliegen einer Pflegestufe überwiegend über Mittel für Kurzzeitwohnen oder über Eingliederungshilfe / Verhinderungspflege finanziert. Ein entsprechender Antrag muss vor dem Kurzzeitpflegeaufenthalt bei der Pflegekasse oder dem Sozialamt gestellt werden. Bei der Antragstellung hilft die Kurzzeitpflegeeinrichtung. Um leichter um Spenden für nicht förderfähige, frei zu finanzierende Angebote oder zusätzliche hilfreiche Sachmittel werben zu können, ist 2007 der Förderverein der Kleinen Oase e. V. gegründet worden.
Die Plätze in den Kurzzeitpflegeeinrichtungen sind vor allem während der Ferienzeiten knapp. Deshalb empfiehlt es sich, sich frühzeitig (ein Jahr im voraus) anzumelden. In Notsituationen versucht die Einrichtung dennoch Hilfe zu geben, insbesondere den Familien und Kindern, die schon mit dem Wohnen und Leben im Haus vertraut sind.

 

 

Beispiele nicht abreißender Spendenfreudigkeit

Sisters in Action

Sie sangen und tanzten für den guten Zweck: die Sisters in Action. Von 1996 bis 2016 gab es die fröhlichen Nonnen, die mit ihrem kleinen, alten Bus von Auftritt zu Auftritt fuhren, um Geld zu sammeln für die Kleine Oase.

Es begann am 2. Juni 1996, Edith Spaeths 60. Geburtstag. Damals hatten 15 Freundinnen im Nonnen-Outfit eine kleine Show-Einlage einstudiert. 20 Jahre später hatten die Nonnen 6000 bis 7000 Aufritte hinter sich und 680.000 Euro für die Kleine Oase gesammelt.

„Ohne Ediths Geburtstag gäbe es uns nicht“, sagte Brigitte Mues-Hölscher, eine von 28 Nonnen. „Keine von uns hätte gedacht, dass daraus mal so etwas Großes wird.“ „Als die Kleine Oase damals öffnete, kam uns die Idee, das Geld dahin zu spenden“, sagt Brigitte Mues-Hölscher. „Denn wir haben große Hochachtung davor, was Eltern leisten, die ein behindertes Kind zuhause haben.“

(Foto: Dattelner Morgenpost, 5. Juni 2011)


Förderverein Kleine Oase e.V.

Im Sommer 2007 gründete sich der Förderverein Kleine Oase e.V. - sein Ziel: sich ehrenamtlich für die Unterstützung der Kleinen Oase in Datteln zu engagieren. Der Verein möchte die sinnvolle und vor allem menschliche Arbeit in der Einrichtung nach bestem Willen unterstützen und vorantreiben. Als seine Hauptaufgabe will er die Qualität der Betreuung und die Möglichkeiten für die Kinder und Jugendlichen ständig erweitern. Von den Spendengeldern konnte z.B. ein spezielles Tandem angeschafft werden. Hinten strampelt ein Betreuer, vorne kann auf einer Plattform ein Rollstuhl festgemacht werden. Auf diese Art und Weise ist es für die Kinder und Jugendlichen möglich, kleine Ausflüge zu unternehmen.

Mittlerweile hat der Verein, geführt von der Oase-Fördervereins-Vorsitzenden Alexandra Pillny, fast 50 Mitglieder werben können, die mit ihrem persönlichen Einsatz und einem jährlichen Mitgliedsbeitrag eine große Stütze für die Kleine Oase darstellen. Viele der Mitglieder sind selbst Eltern von behinderten Kindern und wissen aus eigener Erfahrung, wie unersetzlich die Kleine Oase ist. Sie ist nicht nur eine Oase der Freude für die Kinder, sondern zugleich eine Oase der Erholung für die Eltern.

„Wir blicken zuversichtlich in Richtung Zukunft und hoffen, dass uns die Kleine Oase noch lange als Ort des Lebens und der Begegnung erhalten bleibt. Jedes Mitglied, jede Spende und jede aktive Mitarbeit sind für das Oasen-Team, für uns Eltern und vor allem für die Kinder und Jugendlichen ein wahres Geschenk des Himmels!“

 

 

 

Ein Sinnesgarten für die Kleine Oase

 

Zwischen dem alten Pfarrhaus und dem Eingang in das Zentrum liegt ein kleiner Garten – der Garten der Sinne. Er ist im Herbst 2012 / Frühjahr 2013 mitten zwischen den hohen Bäumen, die direkt vor der „Kleinen Oase“ ein Mini-Wäldchen bilden, mit Hilfe von Spendengeldern für die Gäste des Hauses entstanden. Wege wurden angelegt, Hochbeete wurden geschaffen, verschiedene Spielgeräte wurden aufgestellt.

 


 

Namhafte Teams beim U13-Junioren-PRO/ZINSO-Cup „Kinder helfen Kindern“

Die Einnahmen des Turniers kommen samt Zuschuss vom Verein der „Kleinen Oase“ zugute.

 

Seit 1994 veranstaltet die Nachwuchsabteilung der Sportfreunde Germania Datteln den U13-Junioren-PRO/ZINSO-Cup „Kinder helfen Kindern“ in der Sporthalle des Berufskollegs Ostvest. Bei diesem traditionellen Hallenturnier der Germanen dabei duellierte sich der heimische Nachwuchs mit dem Nachwuchs vieler Bundesligisten. So hatten schon Borussia Dortmund, FC Schalke 04, 1. FC Köln, VfL Bochum, Hamburger SV, Fortuna Düsseldorf, SC Paderborn, Arminia Bielefeld ihre Teams nach Datteln geschickt - und der Sportclub Lochem, der Partnerverein der Germanen aus den Niederlanden. 2018 feierte die DJK Sportfreunde Datteln ein Jubiläum und eine Premiere: die 25. Auflage des Turniers wurde erstmalig durch den Fusionsverein durchgeführt.

 Die Siegerteams des Wettbewerbs 2018

Wer auch immer in den letzten 25 Jahren am Ende den Siegerpokal in die Höhe strecken durfte, war stets zweitrangig – ob es der Nachwuchs von Borussia Dortmund (11x), des 1. FC Köln (5x), von Schalke 04 (3x) oder jetzt vom VFL Bochum war. Die wahren Sieger des Turniers sind in jedem Jahr die Kinder der „Kleinen Oase“. Die Vertreter der Kurzzeitpflegeeinrichtung konnten die erhobenen Eintrittsgelder, die Spenden der DJK-Jugendabteilung und des Turniersponsors überglücklich in Empfang nehmen. Und passend zum Motto des Turniers – Kinder helfen Kindern – entschieden sich auch die Turniersieger, ihre Geldprämien komplett zur Aufstockung der Spendensumme zu nutzen.